Stur, hartnäckig, kämpferisch

Hans Jürgen Laufer hat den finanziell am Abgrund stehenden Drittligisten Arminia Bielefeld saniert und in die erste Bundesliga geführt. Möglich war das nur, weil ein Verein mehr als nur ein Verein ist, sagt der jüngst abgetretene Präsident. Sie können ihn am 7. Januar 2022 im Detmolder Sommertheater erleben.

“Dem Verein ging es lange Zeit finanziell schlecht”, so Hans Jürgen Laufer. „Wir standen dicht am Abgrund. Man hatte sich durch den Stadionausbau finanziell verhoben“, betont er, und macht noch auf einen anderen Hintergrund aufmerksam: „Wer sich im Profifußball verschuldet und dafür Bankendarlehen aufnimmt, zahlt exorbitant hohe Zinsen, weil unsere Branche auch für die Banken mit hohen Risiken verbunden ist.“

Die Belastung sei wie ein Mühlstein um den Hals gewesen. „Und da hat die Wirtschaft in Ostwestfalen gesagt: Wir brauchen den Profifußball und diesen Verein.“ Das daraus entstandene Bündnis OWL habe den Verein gerettet. „Schuldenschnitt und frisches Geld“, resümiert Laufer. Das alles ist während seiner Amtszeit gelungen, wofür er sehr dankbar sei.

„Die Region spielt also eine wichtige Rolle“, betont der erst im Juni 2021 aus altersgründen zurückgetretene Präsident. „Ostwestfalen-Lippe ist eine starke Region mit viel Wirtschaftskraft, Innovation und Tradition. Und wenn der Ostwestfale macht, dann macht er.“ Das Vereinsmotto „stur, hartnäckig, kämpferisch“ steht symbolträchtig dafür.

Arminia Bielefeld besteht aus vielen Bereichen, erläutert Laufer. Die Profifußball- Abteilung ist eine Aktiengesellschaft, und dann gibt es noch den eingetragenen Verein. „Und der sorgt für den Charme“, betont er. Kaum jemand wisse vom Eiskunstlauf, dem Billard oder der Rollstuhlsportabteilung.

Wichtig ist ihm der Frauenfußball. Die bereits 1975 gegründete Abteilung hat seit zwei Jahren in der EDImedien- Arena eine neue Heimat gefunden. Hinter dem Neubau des Stadions stecken Hans Jürgen Laufer, Wolfgang Lohmeyer und Hans Mensendiek.

Der Verein sei enorm vielfältig, und mit 15´000 Mitgliedern habe man natürlich auch eine soziale Verantwortung. „Und mit den Mitteln, die wir haben, haben wir auch so einiges geschafft.“ Dabei blickt Arminia Bielefeld auf eine lange Tradition zurück, die im Gründungsjahr 1905 begann.

Tradition werde im Verein hochgehalten, so Hans Jürgen Laufer, das gelte für die Kinder- und Jugendabteilung bis hin zu den Senioren. Gemeinsam erinnere man sich an Erfolge wie die Tatsache, dass es mit der Altherren- Mannschaft einen Deutschen Meister im Verein gibt. „Bislang die einzige Deutsche Meisterschaft, die wir gewonnen haben“, schmunzelt Laufer.

Am Herzen liege ihm die Nachwuchsarbeit. So gibt es jährlich ein internationales Kinderturnier, wo es ganz ohne finanzielle Hintergedanken nur um den Fußball gehe. „Wobei auch da schon Beobachter mit Notizblöcken am Spielfeldrand stehen und schauen, wer besonders gut spielt“, wirft Hans Jürgen Laufer ein.

Stur, aber nicht arrogant

Das alles geht nicht ohne Ehrenamtliche. 150 von ihnen arbeiten für Arminia Bielefeld. „Die machen das mit einer Leidenschaft, die mich selbst immer wieder begeistert“, betont der Präsident. Die Ehrenamtlichen füllen die Abteilungen mit Leben, machen Programm. „Da steckt Leidenschaft drin“.

Wo so viel Miteinander stattfindet, da wiegt eine erzwungene Auszeit schwer, blickt Laufer auf die Corona- Einschränkungen zurück. „Das war schon schlimm, da haben wir uns gefragt, was jetzt mit uns passiert.“

Aber aufhalten lassen, das wollte man nicht. „Also bin ich mit ein paar Kollegen bei Auswärtsspielen zu Arminia- Fans nach Hause gefahren und habe Bier verteilt“, erzählt er. „Heute Abend spielt Arminia, deswegen geben wir Dir heute einen aus“, war das Motto.

Die Nähe zu Fans, zu den Mitgliedern sei immer wichtig bei Arminia, genauso wie das Wir. „Nicht ich allein habe Dinge bewegt, sondern wir im Team“, betont Laufer. Städtepartnerschaften, Schulpartnerschaften und Zusammenarbeit mit anderen Vereinen: „Wir wollen dafür sorgen, dass die Region zusammenarbeitet.“

Die Bescheidenheit sei es, die den Verein in den letzten Jahren vorangebracht habe. „Großkotzigkeit funktioniert in Ostwestfalen auch gar nicht“, ist Hans Jürgen Laufer überzeugt. Gleichzeitig müsse man mit Bestimmtheit sein Ziel verfolgen und nicht zurückziehen. „Stur, aber nicht arrogant.“

„Da weißt Du, dass Du alles richtig gemacht hast“

Ein Verein lebt aus und mit seiner Gemeinschaft, ist sich Laufer sicher. „Es fällt leichter, neue Menschen aufzunehmen, wenn jeder seinen Platz kennt, an dem er sich wohlfühlt und wo er sich als Teil eines gemeinsamen Größeren fühlt.“

Schon Kindern und Jugendlichen die Chance zu geben, einfach mal Spaß zu haben, das sei wichtig. „Da weißt Du, dass Du eigentlich alles richtig gemacht hast“, lacht der Vereinspräsident. Und natürlich gäbe ein Verein den jungen Leuten eine Perspektive.

Gerade zu Corona-Zeiten sei der Gemeinschaftsaspekt enorm wichtig gewesen. So habe man mit Gutscheinen die Kneipenkultur in Bielefeld unterstützt. „Zum Vereinsleben gehört eben auch gutes Trinken“, schmunzelt Laufer.

Schwer aktiv im Verein

Geboren ist Hans Jürgen Laufer 1948 auf Fehmarn, also gebürtiger Schleswig- Holsteiner. Die Eltern zogen dann nach Bielefeld. Schule, Ausbildung, Beruf, dann Firmengründung im Bereich IT und elektronischer Datenaustausch.

Schon vor dem Präsidentenamt war Hans Jürgen Laufer „schwer aktiv“ im Verein. Als Abteilungsleiter des Arminia Supporters Club konnte die Mitgliederzahl von 3000 auf 10000 mehr als Verdreifacht werden.

So sei der Wunsch an ihn herangetragen worden, Präsident zu werden. „Alles ehrenamtlich übrigens“, betont Laufer. Der Präsident müsse zwar die Eintrittskarte zum Spiel nicht zahlen, aber das war es auch mit den Vergünstigungen. „Und das ist auch richtig so“, findet er: „Geld macht abhängig. Bekomme ich kein Geld, bin ich in meinen Entscheidungen freier.“

Als er dann Präsident war, habe ihm eine Zeitung ein Mikrofon unter die Nase gehalten und gefragt, was er denn jetzt machen wolle. „Etwas naiv habe ich gesagt: den Verein entschulden und in die erste Bundesliga bringen.“ Der Schlüssel zu so einem Erfolg sei das Aussuchen der richtigen Leute im Umfeld. Mit Sami Arabi und Markus Rejek habe er „zwei Bombentypen“ an seiner Seite gehabt.

Jetzt ist mehr Zeit für Dinge, die in den vergangenen Jahren zu kurz gekommen sind. Und wie es aussieht, wird Hans Jürgen Laufer im November während der Jahreshauptversammlung zum Ehrenpräsidenten von Arminia Bielefeld gewählt.